Form und Stilmittel in Goethes "Heideröslein"Gedichtinterpretation – rhetorische Figuren und stilistische Mittel
Verwendete stilistische Mittel und formale Aspekte in Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Heideröslein" aus der Epoche des Sturm und Drang.
Das Heideröslein wurde 1771 von Goethe während seines Studiums in Straßburg verfasst, besitzt einen sehr starken volksliedhaften Charakter und wird der Epoche des Sturm und Drang zugerechnet. Auch später noch verfasste Goethe einige Kunstlieder in diesem Stil. Formale Aspekte und stilistische Mittel sind wichtig, um den Sinngehalt desGedichts erfassen zu können. Bei einer Interpretation sollte man sich die Zeit nehmen und sich auf das vorliegende Werk einlassen. Um an die tieferen Bedeutungsebenen des Textes zu gelangen helfen einige simple Fragen beim Einstieg: Was passiert hier? Wer sind die Protagonisten? Wo spielt das Geschehen? Welche sprachlichen Mittel werden genutzt? Wer spricht? Welche formalen Elemente und stilistischen Mittel wurden genutzt? Interessant ist hier auch der Artikel zur inhaltlichen Interpretation von Goethes "Heideröslein" Formale Interpretation von Goethes „Heideröslein“ – stilistische Mittel Wie schon erwähnt, besitzt das „Heideröslein“ einen Volkslied-Charakter, obwohl es erst sehr viel später vertont wurde. Dieser Eindruck wird noch durch die zwei refrainartigen Zeilen, wo sich Goethe der Repetitio bediente, und deren wiederholte Anaphern und Alliteration am Ende jeder der drei Strophen verstärkt.: „Röslein, Röslein, Röslein rot, Röslein auf der Heiden.“ Das Gedicht ist ein dreiteiliges Strophenlied, mit je sieben Versen, verfasst im 3 bis 4-füßigen Trochäus, mit abwechselndem Reimschema: a b a a b c b. Die stilistischen Mittel werden sehr sparsam eingesetzt, abgesehen von einigen Anaphern, Alliterationen und Metaphern. Protagonisten: Die Figur des „Heideröslein“ und des „wilden Knaben“Der zentralen Metapher, auf der das Lied aufgebaut ist, begegnet man schon in der ersten Zeile, es ist die des „Röslein“. Sie steht für ein unschuldiges, junges, morgenschönes Mädchen. Die Benennung „Knab’“ steht auch nicht für ein männliches Kind, sondern für einen jungen Mann mit schon erwachter Sexualität, der in dieser Form durch die verwendeten Diminutiva durchgängig stark verharmlost wird. Der Erzähler scheint die Handlung bagatellisierend wiederzugeben. In der zweiten Zeile ist die Umgebung näher bestimmt: „Röslein auf der Heiden“ bezeichnet die räumliche Abgeschiedenheit, in der sich der Knabe und das Mädchen befinden und zeigt die Einsamkeit und Ausgeliefertheit auf. Die Zweite Strophe beginnt mit einer Ellipse: „[Der] Knabe sprach:“, die in einer wörtlichen Rede mündet, die bis in die zweite Zeile hineingeht. Die dritte Zeile beginnt ebenso mit einer Ellipse, die wieder in einer Sprechanweisung ausläuft, diesmal für den weiblichen Part.: „Röslein sprach:“ Zwischen den beiden Protagonisten entwickelt sich ein Dialog. Die dritte Strophe beginnt mit einem Zeilensprung, der mittels des nicht angebundenen „’s“ von der ersten in die zweite Zeile überleitet. In der dritten Zeile wird die Situation des Röslein durch ein Hendiadyoin wiedergegeben: „Weh und Ach“. Durch diese beiden fast synonymen Ausdrücke wird das Leid des Rösleins verstärkt dargestellt. Auch die lautmalerische Weise des „Ach“ (Onomatopoetika) trägt hierzu bei. In der fünften Zeile der dritten Strophe findet sich noch eine simple Alliteration: „es eben“. Hiernach beginnt auch schon wieder die sechste und die siebte Zeile, mit der vorhin schon vorgestellten Repetitio und den wiederkehrenden Anaphern und Alliterationen, die stark den sich steigernden, bezwingenden Charakter dieses volksliedhaften Gedichtes von Goethe ausmachen. Heutige Rezeption des Goethe-KlassikersViele kennen das Lied noch aus dem Musikunterricht. Bizarrerweise wird dieses Gedicht auch heutzutage in etwas angeheitertem Zustand gerne zu Hochzeitsfeierlichkeiten angestimmt und zählt – trotz oder weil seiner brisanten Thematik – auch sonst zu einem der beliebtesten Stücke des deutschen Liedguts.
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